Als sogenannter “Newbie” hier bei der Weinrallye freue ich mich, dass ich bereits zum zweiten Mal dabei bin. Und direkt bei einem Weihnachtswichteln. Schade nur, dass unser Gastgeber Thomas Lippert vom Winzerblog seinen Hut (oder sollte ich sagen, seine Flasche) nimmt. Er hat aber versprochen, dass wir ihm bald an anderer Stelle wieder treffen werden. Thomas kenne ich von Begegnungen auf der ProWein und auch als bemerkenswerter Mit-Organisator und Mit-Gastgeber des Vinocamp in Geisenheim.
An dieser Stelle: nur das Beste für Dich, Thomas!
Ich habe vorweihnachtliches Wichteln noch aus meiner Kindheit und Schulzeit in Erinnerung. Das ist definitiv schon lange her. So begab es sich, dass ich googeln musste, um mich mal wieder “upzudaten”!
Ich lese bei Wikipedia: “Wesentlicher Vorteil des Wichtelns ist, dass durch die zufällige Zuordnung von Schenkendem und Beschenktem alle Gruppenmitglieder gleichgestellt werden…”
Zugegebenermaßen wird das sicher etwas schwierig sein, da es sich beim Verkosten von Wein in der Regel um eine oftmals subjektive Beurteilung handelt. Wenngleich ich davon ausgehe, dass alle “Schenker” größte Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Geschenke walten lassen.
So bekam ich die Aufgabe meinen Wein an Julia Richter vom Blog German Abendbrot zu senden und durfte im Gegenzug einen Wein von Joerg Utecht vom Blog Utecht schreibt erwarten.
An Julia habe ich sehr mutig einen Wein verschickt, dessen Ausbauweise wohl polarisiert wie kein anderer. Chardonnay im Barrique! Der 2011er Bermersheimer Chardonnay – unfiltered – vom Weingut Peth-Wetz war zudem im neuen Barrique und das über 10 Monate. Hier ist Julias wunderbare Beschreibung dazu…
Mit einem herzlichen Weihnachtsgruß erhielt ich den 2009 Blauer Sylvaner trocken QbA vom Weingut Michael Teschke aus dem deutschen Weinbaugebiet Rheinhessen.
Ich bin immer schnell mit den Fingern in Facebook und habe aus diesem Grund auch meinen Wein im Bild bereits recht früh in die Gruppe gepostet. Daraufhin habe ich dann schon mal im Vorfeld erfahren dürfen, dass es sich hierbei um wohl den “besten Sylvaner weit und breit handelt – zumindest aus dem Rheinhessischen”. Nach meinen Recherchen wusste ich, dass es sich um eine “Zeitschnecke” handelt – was immer das auch sein mag.
Die Geschichte:
Der Betriebsleiter und Kellermeister Michael Teschke (50) übernahm 30-jährig einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb und stellte auf Weinbau um. Der Betrieb befindet sich in der 3.Generation und bewirtschaftet aktuell 7 ha am nördlichsten Zipfel Rheinhessens. Rheinhessen ist das größte Weinbaugebiet Deutschlands und gilt seit über 100 Jahren als das größte Silvaneranbaugebiet der Welt.
Martin Teschke gilt auch als Großmeister des Silvaners in Rheinhessen – er führt einen Ökoweinbau ohne Zertifizierung und seine Weine erschließen sich nicht in der Jugend. Aber – sie profizieren von der Reife! Das habe ich bei meinem Wein im Glas deutlich gespürt. Und deshalb bezeichnet man die Weine von Michael Teschke wohl als “Zeitschnecken”.
Hier nun meine Beschreibung und mein Fazit:
2009 Blauer Sylvaner trocken QbA
Weingut Michael Teschke
Rheinhessen, Deutschland
Alkohol 12,5% vol.
In meinem Glas zeigt sich ein Wein von strahlender, heller goldgelber Farbe mit wässrigem Rand, welches auf Jugend deutet (!?)
In der Nase präsentiert sich mein Wein sauber, mittlere Intensität von fruchtigen Aromen wie Birne und Banane, würzige Noten von Liebstöckel und im langen Abgang zeigt er bittere Noten vom Chicorée. Er wirkt in der Nase kühl und leicht “kreidig”, was ich auf die Bodenbeschaffenheit zurück führe. Auch in der Nase wirkt er wiederum jugendlich (!?).
Am Gaumen trocken, von einer lebendigen Säure begleitet, mit ausgeprägter Mineralität, spritzig, mittlerer Alkohol, schlanker Körper, gewürzig, Birne, Apfel, Banane, Chicorée – alles frisch und jugendlich (!?). Im langen Abgang finde ich noch Anklänge von Bittermandel…
Mein Fazit: Es handelt sich hier um einen guten bis sehr guten Sylvaner mit einer ausgewogenen Balance von Säure, Alkohol und Restsüsse. Finessenreich und eine beeindruckende Mineralität.
Jetzt verstehe ich langsam, warum es sich hier um eine “Zeitschnecke” handelt. Ich beschreibe einen Wein, der eigentlich auf einen neuen Jahrgang schließen lässt – auf dem Etikett steht jedoch “2009″.
Dieser Wein hat zwar Trinkreife, aber auch noch einige Jahre vor sich. Die Lagerfähigkeit schätze ich auf 3 Jahre aufgrund seines sehr guten Säuregerüstes. Einen “day after” gab es schließlich auch und der Wein hat sich dabei prächtig entwickelt. Auch das für mich ein Zeichen, dass er noch einige Jahre Spaß machen wird.
Meine Speisenempfehlung: eine gut gemachte Schlachte-Platte auf sehr hohem Niveau. Gerne würde ich ihn auch zur Spargelzeit nochmals aus dem Kühlschrank holen. Der Spargel darf durchaus von einer kräftigen Hollandaise mit feiner Säurenote begleitet werden. Aktuell hätte ich ihn auch zu meinem Thunfisch-Carpaccio am Heiligen Abend getrunken
Ein Credo des Kellermeisters lautet: “Weinbau hat was mit Liebe zu den Pflanzen zu tun, es geht nämlich nicht nur um den schnöden Ertrag!”
Diese Philosophie schmeckt man zumindest in dem mir geschenkten 2009er Blauer Sylvaner!
Danke an den Großmeister und danke an Joerg Utecht
ps: Wer sich fragt, warum Silvaner und Sylvaner – es handelt sich um die alte Schreibweise des Silvaners und ist auch heute noch im Elsass so üblich. Michael Teschke erntet die Trauben von mehr als 40 Jahre alten Rebstöcken und nimmt dazu gerne wieder alte Traditionen auf!
pps: Habe den Winzer angerufen und lange mit ihm gesprochen – es handelt sich um den Basis-Sylvaner und kostet 5,90 € ab Hof! Da zeigt Deutschland mal wieder, wieviel Genuß zu bezahlbaren Preisen in die Flasche gebracht wird
Weitere Beiträge zur #Weinrallye #58
http://cucina-casalinga.blogspot.de/2012/12/wein-attention-chenin-mechant-2011.html

Ganz schön gefordert…!
Grauburgunder (Auslese) 2010 vom Weingut Clauser, Heidelberg

Sag beim Wichteln leise Servus
Domaine Saint Préfert, Châteauneuf Du Pape, 2010, Südfrankreich

“Wine Rotation”
Weingut Rheinterrassenhof: Guntersblumer Bornpfad, 2011. Silvaner, trocken
Wir unterbrechen die laufende Stille…
Abadia Retuerta: Pago Valbellon, Cabernet Sauvignon 2009
Vino de la Tierra de Castilla y Leon

Mosto Cotto

Gute Alternative zum Sauternes oder Monbazillac
Weingut Weingart: Bopparder Hamm Feuerlay, 2011, Riesling Auslaes

Mir wurde das Glück zutei…
Gasthof Goldene Krone: Iphöfer Kronsberg 2009, Weisser Burgunder Spätlese


Dankbarkeit
Weingut Günther Steinmetz: Graacher Himmelreich, 2007, Spätburgunder Auslese

Es gibt Rotweinfondue
Grenzhof Fiedler: Leitaberg vom Mörbischer Goldberg, 2009, Burgenland
Fröhliche Wei(h)nachte(l)n
Schloss Westerhaus: Chardonnay & Weißer Burgunder, 2011
Weingut Karlo Kappesser: Riesling Engelstädter Römerberg, 2010
Joh. Bapt. Schäfer, Scheurebe, 2011, Nahe

Kultwein im Haus
Gantenbein: Chardonnay. 2005, Fläsch, Schweiz













