Vinocamp 2012 – ein Rückblick

Dass wir als Veranstalter der VINALIA Wein- und Genussmessen auch andere innovative Veranstaltungen rund um den Wein gerne unterstützen, dürfte kein Geheimnis sein.

Gerne schaue ich nach links und nach rechts und freue mich über jedes gut umgesetzte Konzept, das dem Wein & Co. weiter hilft. Meine Leidenschaft gilt dem Wein und insbesondere dem Deutschen Wein! Darum war die Entscheidung, diese Veranstaltung Vinocamp 2012 als Sponsor zu unterstützen, keine Frage!

Nun habe ich mich auch als Besucherin dazu gesellt und war bass erstaunt, als ich hinter die Kulissen schaute.

Voller Spannung fuhr ich nach Geisenheim – wahrscheinlich bummerte mein Herz ebenso wie das des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck, als er sein Amt übernahm in dieser Woche. Warum? Ich fuhr doch mit einer vorgefertigten Meinung dorthin!!!

  1. Nur junge Leute
  2. Ein wenig abgefahren und „verrückt“
  3. Die wollen ja nur auf die Pauke hauen
  4. Viele haben doch keine wirkliche Ahnung von Wein
  5. Nur für Blogger – ich bin keiner!
  6. u.v.a.

Am Samstag kam ich leider mit etwas Verspätung dort an und bin mitten in eine sympathisch anmutende und schwer dynamische Vorstellungsrunde gekommen. Ich habe mich absichtlich daraus getan, da ich nach 4 Stunden Fahrt einfach diese wunderbar fröhliche Art dieser energiegeladenen Menschen mit meiner Anspannung nicht stören wollte.

Und es ging dynamisch weiter. Sessions! In lockerer, aber ernsthafter Atmosphäre meldeten sich verschiedene Leute und boten Gesprächsrunden von max. 60 Minuten an, denen man sich als Besucher des  #vcd2012 anschließen konnte. Schnell wurde dieser Plan an eine Metawand geworfen und die fleißigen Helferinnen im Hintergrund hatten das flugs auf Bildschirm gezaubert. Sessions wie „Orange-Wine“, ‚Kundenbindung‘, „Social-Media, Facebook, Twitter & Co.“, „Weinbaupraxis Outdoor“, „Pflanzrechte“, u.v.m. wurden angeboten. Und dies von Menschen aus der Praxis und für die Praxis.

Mein erster Besuch galt der Session „Kundenbindung“ und dort wurde in einem größeren Kreis sehr ernsthaft über dieses Thema diskutiert. Erfahrungsaustauch und Kontroverse gaben sich die Hand. Begriffe wie „Markenbildung vor den Kunden setzen“, „Markenbildungsprozesse“, „Kunde ist ein Impulskäufer“, “Cocooning aufheben“ und „Begehrlichkeiten schaffen“ bis hin zu „Soziale Aspekte“, das waren wirkliche Impulse mit denen ich diese Session verlassen konnte.

Interessant war dann auch meine nächste Session „Social-Media, Facebook, Twitter & Co.“ von Dirk Würtz. Hier ging es insbesondere um die Fragen: “Darf man damit Geld verdienen?“ und „Ist der Blog ein Marketinginstrument oder ein monetäres Konzept?“. Die wohl prägnantesten Aussagen waren „Internet ist Porno und Schnäppchen“ und „Facebook ist Voyeurismus pur“.

Es folgten weitere Sessions wie „In uter veritas – Wein im Schlauch & BIB“. In Frankreich BIB etabliert, in Deutschland hat diese Abfüllung erhebliche Akzeptanzprobleme. Die Weine benötigen schnelle Umschlagszahlen, da sie schnell reifen. Übrigens: in den skandinavischen Ländern werden über 75% der Weine in BIB gefüllt!“

Auch die anschließende Session „Ist billig gut?“ wurde mit viel Interesse von den Zuhörern aufgenommen. Leider wurde diese Diskussion am Thema „Champagner“ überwiegend festgemacht. Hier hätte ein „normaleres Produkt“  wie z.B. Fleisch eher die gesundheitliche Gefahr die mit  „Billigprodukten“  verbunden ist, gezeigt.  Präzise die Ausführung von Philip Erik Breitenfeld: „Es gibt Konsumenten die sich entschieden können und andere, die sich aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse nicht entscheiden können.“ Durch Billigangebote stirbt die Vielfalt und die Leistung wird  teurer, da Basisleistungen billig sind und Zusatzleistungen teurer werden. Siehe Billigflüge und Zusatzleistungen wie Koffergewicht und Beinfreiheit. Aber auch: Günstige Produkte geben ärmeren Schichten das Gefühl, dazu zu gehören.

An diesem Tag war für mich persönlich nochmal ein Highlight die Soziale Weinprobe mit Petra Mayer. Sie stellte uns in beeindruckender Weise Weine aus Südafrika vor. Ihre Zuhörer und Mittrinker konnten viel von diesem faszinierenden Land erfahren. Tolle Weine: Sauvignon Blanc, Chardonnay oaked and unoaked, Pinotage und Shiraz wurden uns in ihrer Vielfalt präsentiert.

Ganz besonders hervorzuheben ist die Organisation des #vcd2012. Scheinbar mit einfachen Mitteln, jedoch äußerst effizient. Keine Überorganisation, keine Unterversorgung, immer alles vorhanden wie Kaffee, Wasser, Brot, Essen und natürlich Wein in seinen vielfältigen Facetten. Mein besonderer Dank geht an die beiden Damen im Hintergrund, die uns nach allen Regeln der Kunst verwöhnten und es an Nichts fehlen ließen – Gabi Würtz und Andrea Wünsch!

Nach dem Essen wurden wir in die Winebank von Balthasar Ress eingeladen. Thema „Gereifte Weine“. Sie standen in ausgiebiger Menge zur Verfügung und neben guten Gesprächen haben wir dann noch bei guter Musik vom DJ abtanzen können.

Am Sonntag ging es in gleicher Weise bereits um 9 Uhr weiter. Ganz großes Highlight war hier die „Fehlerweinprobe“ mit Professor Dr. Rainer Jung von der Forschungsanstalt Geisenheim. Er brachte seine Verwunderung zum Ausdruck, dass so viele Menschen an einem sonnigen Sonntagmorgen freiwillig so viele fehlerhafte Weine trinken wollten.  Fehler wie „Oxidativ, UTA, flüchtige Säure, UHU, Böckser und BRETT” wurden besprochen und anschaulich erklärt. Danke auch dafür…

Übrigens: Es heißt nicht mehr „Korkfehler“ sondern „dumpf-muffiger Ton“, da dieser TCA – Trichloranisol auch dort auftritt, wo sich Schimmelpilze bilden. Sein Bruder der TCB – Tribromanisol bildet sich dort, wo mit „Flammschutzmitteln“ gearbeitet wird.

Eine weitere Session zum Thema „Quo Vadis Vinocamp“ habe ich besucht. Auch hier zeigten sich rege Diskutanten, die großes Interesse an der Weiterführung und am Ausbau dieses Events haben. Bis hin, dass auch die „Foodis“ zum Thema „Harmonie von Speise & Wein“ hinzugezogen werden sollten.

Meine letzte Aufmerksamkeit wurde auf die Session „Weinbezeichnungsgedöns“ gelenkt. Hier ging es um eine Lagenklassifizierung wie dies momentan vom VDP  vorgestellt und wohl auch durchgeführt wird. Auch hier wurde in unterschiedlicher Weise rege und kontrovers diskutiert, da nciht die Sinnhaftigkeit sondern die  Durchsetzungsmöglichkeiten in Frage gestellt wurden.

Mein Fazit dieser Veranstaltung: Eine rundum gelungene Veranstaltung mit vielen Facetten, vielen unterschiedlichen Menschen, vielen unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen. Und ein letzter Satz von Thomas Lippert: Die Bloggerszene wird erwachsen!

Eine Veranstaltung mit Suchtcharakter eben…

 

(Bildnachweis: http://andreas-baldauf.de/vinocamp-special-edition/)


5 Kommentare

5 Kommentare zu Vinocamp 2012 – ein Rückblick

  1. ein richtig guter und lesenswerter Artikel.Danke für diese ausführliche Information.
    Nur: was hat Herr Gauck(den ich sehr schätze) damit zu tun ;-)) ?

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