Zugegeben, als Veranstalterin der VINALIA Weinmessen/Genussmessen haben sich auf meiner Zunge und am meinem Gaumen schon viele gute und weniger gute Tropfen gefunden. Ich glaube auch, die meisten Rebsorten vom Namen nach zu kennen und davon die meisten schon mal getrunken zu haben.
Aber dann kommt immer mal wieder was Neues: Hier der Würzer vom Rheinterrassenhof Wolfgang Janß in Rheinhessen.
Wolfgang Janß ist ein FB-Freund von mir und wir haben mehr oder weniger guten Kontakt. So kam ich denn auch an diesen Wein. Bereitwillig sendete mir Wolfgang eine Flasche
2010 Würzer QbA (Cuvée aus Würzer und Gewürztraminer)
Feinherb 12% vol.
und eine 2009 Würzer Beerenauslese.
Wikipedia sagt zum Thema Würzer: Würzer ist eine weiße Rebsorte. Georg Scheu züchtete diese Sorte im Jahr 1932 an der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey aus einer Kreuzung der Sorten Gewürztraminer und Müller Thurgau. Die Erteilung des Sortenschutzes sowie die Eintragung in die Sortenliste erfolgte 1978. Im Jahr 2007 waren in Deutschland ca. 67 Hektar Rebfläche mit Würzer bestockt, nachdem im Jahr 2001 noch 97 Hektar Rebfläche erhoben wurden.
Der Wein ist rassig, frisch und elegant und hat ein schönes Muskatbukett. Die Bezeichnung Würzer ist ein Hinweis auf seine würzige Art. Nachteilig ist seine Empfindlichkeit in Bezug auf Frost und Chlorose.
ps-wein.de sagt dazu: Kreuzung Gewürztraminer x Müller-Thurgau. Die Würzer ist eine einfache Rebsorte, die vor allem in Rheinhessen angebaut wird. Die Weine sind sehr würzig, oft viel zu würzig, so dass diese Würze schon unangenehm auffallen kann.
Und ich habe folgendes zu sagen:
Der Wein ist von einem intensiven Goldgelb und hat eine komplexe, typische Traminernase. Litschi, gelbe Teerose, Muskat mit vegetabilen Noten von Liebstöckel im Hintergrund. Dazu gesellen sich Aromen von jungen Wallnüssen.
Eine hohe Viskosität deutet auf Extrakt und Alkohol.
Am Gaumen sofort eine feine, gut strukturierte Säure, die Aromen in der Nase bestätigen sich und jetzt kommt auch der Kreuzungspartner Müller-Thurgau mit angenehmen grünen, bitteren Noten zur Geltung. Die deutlich spürbare Mineralität verbindet sich sehr gut mit der Säure und einer angenehmen Restsüsse.
Ein langer Nachhall wird von den jungen grünen Wallnüssen begleitet.
Dem Wein gebe ich aufgrund seiner Säurestruktur noch gute 3 Jahre. Ich glaube aber, dass er momentan den meisten Spaß bringt.
Essen möchte ich gerne dazu eine Schlachteplatte – aber bitte auf hohem Niveau. Z.B. Bernhard Pawis aus dem Saale-Unstrut-Gebiet serviert zu seinem Müller eine edle Schlachteplatte.
Bei meiner Verkostung habe ich auch den Delice d’argental probiert. Auch das ist eine feine Variante.
Heute habe ich auf Facebook ein Getränk zu einer (hoffentlich guten) Linsensuppe diskutiert. Jetzt kann ich mir diesen Wein auch gut dazu vorstellen.
In jedem Fall ein gut strukturierter, komplexer Wein. Vorsicht, der hat Suchtpotenzial!
Und ich freue mich auf die Würzer-Beerenauslese. Die kommt Weihnachten dran!
3 Kommentare






Hallo Frau Wimmer,
freut mich das mit der Rebsorte eine Neuentdeckung gewonnen wurde. Würzer ist und bleibt für mich eine jener Neuzüchtungen von Dr. Scheu, die es leider nie groß in die Breite geschafft haben. Dies hängt zu einem sehr großen Teil damit zusammen, das Rheinhessen, bis auf Ausnahmen, leider immer noch zu viel “Masse” produzieren will. Würzer passt da leider nicht dazu da eine Durchschnittserntemenge von nicht mehr als 65hl/ha zu erwarten ist. Getreu nach meinem Motto “alles was keine 150hl/ha bringt, taugt nichts für den Mengenproduzenten”. Da wir seit 2003 den Betrieb nun konsequent umgestellt haben auf eine eigene Vermarktungm, ist die Qualität immer an erster Stelle zu sehen. Und so passt es in die heutige Weinzeit von Sauvignon Blanc, Schreurebe & Co., das ich der Meinung bin der Würzer erlebt eine neue Zeit. Bei uns ist diese Angekommen! Der Wein jedes Jahr ausverkauft, und 2010 sogar als einziges Weingut in ganz Rheinhessen wieder einen viertel Hektar Würzerreben angepflanzt. Der Erhalt dieser Klasserebsorte wird gesichert, und mit noch mehr Traubenmaterial kann noch besser Selektioniert werden und noch viel bessere Weine erzeugt werden.
Freuen Sie sich auf die Beerenauslese
Das Garantiert die Explosion des Gaumens!
Hallo Wolfgang,
ja der Wein hat mich überzeugt. Dann bin ich ja auf die Entwicklung der Rebsorte sehr gespannt. Mich können Sie gerne auf dem Laufenden halten.
Interessant finde ich Ihre Ausführung bzgl. meiner Einschätzung zum Entwicklungspotenzial. Hier Ihr O-Ton “der trockene bis Ende 2013 der edelsüsse ….zwischen 2025-2030 und evtl noch mehr..da es endlich mal der richtige Verschluß ist! “.
Der Edelsüße – der übrigens zu Weihnachten ran muss – ist mit einem Schraubverschluß. Also, der Schrauber macht den Wein länger haltbar?
Hallo Frau Wimmer,
Genau es geht um den Verschluß. Für mich ist und bleibt im Moment der Stelvin (BVS) der einzige Verschluß, der einer Flasche Wein eine lange Haltbarkeit gewährt, ohne dabei den Gefahren des Korkes oder des Kunstoffstopfens ausgesetzt zu sein. 100% Dicht, keine Ausläufer, kein TCA, kein Sauerstoffeintrag in die Flasche die die paar Tropfen (hier 0,375l) in 10 Jahren so “Aufoxidieren” lassen das keine Frucht und Eleganz zu schmecken ist. Ich will in Jahren noch gerne eine BA oder TBA mit den Vorteilen trinken, die Spaß machen! Frische, Frucht, Lebendigkeit, Eleganz.
Dies ist Selbstverständlich eine persönliche Einstellung von mir. Gerne finde ich die Meinung der Winzer OK die Ihre Weine weiterhin mit Naturkorken verschließen. Wenn sie dahinter stehen…..